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Interview mit Dr. Michael Kremer im Sonderheft "Alles über Schönheits-OPs"

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Gesichtsimplantate - Schönheit ist dreidimensional
Experten-Interview: was kann mit Gesichtsimplantaten erreicht werden? gesicht,silikon,gesichtsprofil,wangen,wangenknochen
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Während der Einsatz von Implantaten zur Brustvergrößerung einer der häufigsten ästhetisch-plastischen Operationen in Deutschland ist, sind Gesichtsimplantate - anders als zum Beispiel in den USA - in Deutschland eher wenig verbreitet. Schönheit & Medizin hat ein Interview mit Dr. Michael Kremer, München, geführt, der als Facharzt für Plastische Chirurgie und in den USA ausgebildeter Craniofacialer Chirurg ein Experte auf dem Gebiet von Gesichtsimplantaten ist.

Dr. Kremer, wann kommen Gesichtsimplantate in Ihrer Praxis zum Einsatz?

Dr. Kremer: Ich stehe auf dem Standpunkt, dass ein ästhetisch ausgewogenes Gesicht nicht allein durch zwei-dimensionales Ziehen an der Haut erreicht werden kann, wie zum Beispiel durch oberflächliche Faceliftings. Dies verursacht nicht selten ein unnatürliches Aussehen, Stichpunkt "Windtunnel", wenn Sie wissen was ich meine.

Natürlich besteht eine Berechtigung für Facelifts bei stark faltiger Gesichts- und Halshaut, dreidimensionale Verbesserungen können aber - außer beim Mittelgesichtslifting - damit dennoch nicht erreicht werden. Wir wissen alle, dass allein schon durch eine Korrektur der Nase, die ja das dreidimensionale Element in der Mitte des Gesichts ist, eine starke Verbesserung der gesamten Gesichtsästhetik erreicht wird.

Ähnliche positive Besserungen kann man durch Gesichtsimplantate erreichen. Gesichtsimplantate werden von mir bei vielfältigen Indikationen verwendet, zum Beispiel bei fliehendem Kinn, einem flachen Mittelgesicht, flachen Wangenknochen, flachen Kieferwinkeln, einer fliehenden Stirn, eingefallenen Schläfen, um einmal die häufigsten zu nennen. Hinzu kommen individuelle Spezialfälle bei Patienten mit zum Beispiel einseitigen Asymmetrien des Gesichts oder mehrfach voroperierter Nase.

Verschiedene Implantat-Typen

Was kann mit Gesichtsimplantaten erreicht werden?

Dr. Kremer: Prinzipiell kann man mit Gesichtsimplantaten knöcherne Schädelveränderungen sozusagen simulieren, die ansonsten nur mit Knochenschnitten ("Osteotomie"), Knochenverlagerung und Fixierung mit Schrauben und Platten ermöglicht werden. Dies ist der Tätigkeitsbereich der Craniofacialen Chirurgie als Teilgebiet der Plastischen Chirurgie, in welchem ich mich in den USA über mehrere Jahre operativ fortgebildet habe.

Solche dreidimensionalen Knochenverschiebungen sind jedoch mit einem nicht unerheblichen Operationsrisiko verbunden, so dass sie in der Regel nur bei schweren angeborenen Missbildungen oder nach Unfällen zur Anwendung kommen, nicht bei Patienten, die eine rein kosmetisch-plastische Verbesserung suchen. Eine Ausnahme stellt eine Kinnvorverlagerung durch Knochenschnitt dar ("Genioplastik"), was ich selbst auch relativ häufig durchführe und was eigentlich nicht viel aufwändiger ist als eine Kinnimplantat-Operation.

Für rein ästhetische Operationen sind Gesichtsimplantate also schlichtweg komfortabler, und sie können auch wieder entfernt werden ohne dass ein bleibender Schaden fortbesteht. Durch sehr unterschiedlich vorgefertigt "designte" Gesichtsimplantate können - als zu nennender Vorteil gegenüber einer Osteotomie - ganz typisch auftretende Konturdefekte ausgeglichen werden, die ich oben schon angesprochen habe.

Weitere Vorteile von Implantaten sind, dass ich meinen Patienten das von mir empfohlene Implantat vor einer Operation bereits in der Beratung zeigen und anfassen lassen kann und dass individuelle Behandlungspläne, manchmal auch in mehreren Operationen, genauestens geplant werden können. Es handelt sich also anders als zum Beispiel bei einer Eigenfettunterspritzung um ein sehr exaktes Verfahren.

Wie hat man sich Gesichtsimplantate vorzustellen, aus was bestehen sie und wie werden sie verwendet?

Dr. Kremer: Die am häufigsten verwendeten Gesichtsimplantate für ästhetische Behandlungen bestehen aus unterschiedlichen Kunststoffen wie zum Beispiel Polyethylen, Silikon oder PTFE (Goretex™). Ich selbst verwende aufgrund meiner langjährigen Erfahrung ausschließlich poröses Polyethylen (Medpor™), weil es nur bei diesem Material zu einem Einwachsen von Blutgefäßen und Bindegewebe kommt, das Implantat also vom Körper sozusagen aufgenommen wird ("Inkorporation").

Offen kommunizierende, multi-direktionale Porenstruktur des porösen Polyethylen (Medpor

Um die anderen Materialien bildet sich eine Kapsel, was ich persönlich als nachteilig empfinde, da Kapseln ja nichts anderes als Abstoßungsreaktionen des Körpers sind.

Außerdem kann man Medpor™ in der Operation zurecht biegen und abfräsen sowie mit kleinen Schrauben fest am Knochen fixieren und dadurch praktisch nicht merkliche und somit natürliche Übergänge geschaffen werden können. Das ist aus meiner Erfahrung extrem wichtig.

Ich selbst bevorzuge als ausgebildeter Craniofacialer Chirurg das Einbringen der Implantate durch später nicht sichtbare Schnitte im Mund, was zwar operativ-technisch anspruchsvoll ist, jedoch das beste kosmetische und natürlichste Ergebnis erbringt. Nach Abheilung kann ein Dritter zwar eine positive Veränderung der Gesichtsstrukturen unterbewusst wahrnehmen, da aber keine Schnitte äußerlich existieren, wird eine Operation als Ursache dafür zumeist nicht angenommen. Die erreichten Veränderungen sind also sehr diskret, was viele meiner Implantat-Patienten schätzen.

"Wahre Schönheit kommt von innen", sozusagen. Ich selbst bin bis auf Einzelfälle dagegen, Wangenimplantate durch das Unterlid einzubringen, weil hierdurch natürliche anatomische Barrieren durchbrochen und teilweise geschädigt werden mit der möglichen Komplikation hängender Unterlider ("Ektropium"), was extrem unschön ist und zu Problemen in vielerlei Hinsicht führen kann.

Die offene Porenstruktur erlaubt das Einsprossen von Gefäßen. Die Anfälligkeit für Infektion, Wanderung des Implantats und eine Wundexposition sind dadurch verringert.

Warum müssen Implantate mit kleinen Schrauben fest gemacht werden? Wie groß ist der Aufwand?

Dr. Kremer: Das muss nicht sein, Silikonimplantate lassen sich aber zum Beispiel schlecht mit Schrauben fixieren, da die gummiähnliche Struktur keinen mechanischen Widerstand hat und durch Bohren und Schrauben sogar reißen kann. Silikonimplantate werden daher meist nur ein- oder "untergeschoben". Ich selbst bevorzuge aber die ganz exakte Fixierung von Polyethylenimplantaten mit kleinen Mini-Titanschrauben, denn es handelt sich ja um einen aufwendigen Eingriff, bei dem wenigen Millimeter Veränderung an der richtigen Stelle eine große Wirkung zeigen, darum geht es ja.

Nicht exakt fixierte Implantate können verrutschen oder verrutschen nach meiner Kenntnis immer ein wenig, was unvorhersehbare kosmetische Ergebnisse bringt, das möchte ich nicht. Auch kann ich nur durch definitive Befestigung der Implantate mit Schrauben eine Symmetrie erreichen und die Implantate abschließend evtl. noch an ihrer festen Position Stück für Stück mit der Hochgeschwindigkeitsfräse nachkonturieren, bis alles 100%-ig stimmt.

Titanschrauben sind für den Körper absolut verträglich und müssen nicht entfernt werden. Es stimmt aber, dass man als auf Gesichtsimplantate spezialisierter Plastischer Chirurg über Spezialinstrumente wie Hochgeschwindigkeitsbohrer, Fräse, Säge und Osteosynthesematerial verfügen muss und in der intraoperativen Anwendung dieser Instrumente versiert sein muss.

Dennoch sind die Operationen zeitlich nicht länger als zum Beispiel eine Brustvergrößerung und trotz Abhebung aller Gesichtsweichteile vom Knochen bestehen postoperativ eigentliche keine Schmerzen. Die Schwellung geht in der Regel nach 2 bis 3 Tagen zurück und ist nach 10 Tagen für Dritte praktisch nicht mehr zu erkennen. Blaue Flecken sind eher selten.

Sollte es zu einer Infektion kommen, was etwa bei 2 bis 5% der Patienten trotz sorgfältigster Operationstechnik und Antibiotika-Behandlung passieren kann, müssen die Implantate leider zumeist entfernt werden.

Also eine Operation eher für Spezialisten?

Dr. Kremer: Ich denke schon, denn bereits in der Beratung sind Spezialkenntnisse aus der Anthropologie und der Kieferorthopädie sowie detaillierte Kenntnisse der Gesichtsanatomie notwendig um einen sinnvollen Behandlungsplan aufzustellen. Es gibt Patienten, beispielsweise mit so genannter "fliehender Stirn", bei denen wir zur Behandlungsplanung eine Computertomographie mit dreidimensionaler Rekonstruktion durchführen müssen, um die Anatomie genau zu studieren und manchmal auch anhand dieser Daten handgefertigte Spezialimplantate anfertigen zu lassen, die dann sozusagen millimetergenau "pass-fit" an den Schädel angebracht werden.

Bei anderen Patienten mit ähnlicher Problematik hingegen müssen die knöchernen Brauenwülste operativ abgetragen und evtl. die Stirnhöhlen plastisch verschlossen werden um ein harmonisches Gesamtergebnis der Stirn zu erreichen. Während der Operation ermöglichen nur genaue anatomische Kenntnisse, insbesondere über die Position der Gesichtsnerven, eine ausreichende große Präparation des Implantatlagers. Ich selbst weiß, dass ich diese Operationen ohne meine mehrjährige operative Ausbildung in den USA nicht durchführen könnte.

Aus diesem Grund gibt es nicht viele Ärzte, die Interesse an diesem Gebiet der ästhetisch-plastischen Chirurgie haben. Die Operationen sind aber in erfahrener Hand sehr sicher und für mein Dafürhalten eher weniger riskant als zum Beispiel eine Fettabsaugung oder einer Bauchstraffung.

Können Sie uns sagen, wie teuer Gesichtsimplantat-Operationen sind?

Die Kosten liegen im allgemeinen zwischen Preisen von Nasenkorrekturen und Faceliftings, wobei die Implantate selbst zwischen 250 Euro und 600 euro kosten.

Danke, dass Sie sich für unsere Leser die Zeit genommen haben über Ihre Erfahrungen mit Gesichtsimplantaten zu berichten.

 

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